{"id":206,"date":"2021-06-26T13:34:10","date_gmt":"2021-06-26T13:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/hamadeh-texte.de\/?p=206"},"modified":"2023-07-21T11:51:21","modified_gmt":"2023-07-21T11:51:21","slug":"es-waere-zu-empfehlen-es-ist-zu-empfehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hamadeh-texte.de\/?p=206","title":{"rendered":"Es w\u00e4re zu empfehlen? Es ist zu empfehlen!"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hamadeh-texte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/e.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-207\" width=\"182\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/hamadeh-texte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/e.png 376w, https:\/\/hamadeh-texte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/e-300x292.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Folge geht es um den Konjunktiv. Zu meiner Arbeit geh\u00f6rt es n\u00e4mlich, Gerichtsgutachtenmanuskripte zu lektorieren, und darin stehen oft Dinge, die Leute gesagt haben. Um dies darzustellen, steht uns der Konjunktiv zur Verf\u00fcgung; wenn wir den gebrauchen, ist klar, dass es von jemand anderem kommt, nicht von uns. Au\u00dferdem sichern sich Sachverst\u00e4ndige ab, indem sie Gespr\u00e4che mit den Kindeseltern, mit Jugendamt und Kita im Konjunktiv transkribieren und nicht in w\u00f6rtlicher Rede. Es geht ja nicht um den Wortlaut, sondern darum, was die Leute meinen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So weit, so gut. In der Praxis bemerke ich allerdings Unsicherheiten, zum Beispiel bei den verschiedenen Zeitformen. Die Konjunktivform im Nebensatz ist n\u00e4mlich immer dieselbe, egal, ob der Hauptsatz in der Gegenwart oder in der Vergangenheit steht: \u201eSie <em>sagt<\/em>, sie habe &#8230; Sie <em>sagte<\/em>, sie habe &#8230; Sie <em>sagt<\/em>, sie sei gewesen &#8230; Sie <em>sagte<\/em>, sie sei gewesen.\u201c Auch bei der dritten Person Plural gibt es nach meiner Leseerfahrung Erkl\u00e4rungsbedarf. Im Singular hei\u00dft es: \u201eEr sagte, er gehe\u201c, aber im Plural hei\u00dft es nicht: \u201eSie sagten, sie gehen\u201c, sondern: \u201eSie sagten, sie gingen (oder: w\u00fcrden gehen)\u201c. Warum? Weil Indikativ und Konjunktiv ansonsten gleich w\u00e4ren und nicht unterschieden werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal erfordern Verben den Konjunktiv im Hauptsatz, aber nicht hier: \u201eDie Beziehung zum Kind <em>beschreibe<\/em> Frau A so, dass &#8230;\u201c. Das ist falsch, denn Frau A hat es im Gespr\u00e4ch tats\u00e4chlich beschrieben. Deshalb: Sie <em>beschrieb<\/em>, <em>sagte<\/em>, <em>gab an<\/em> <em>..<\/em>. und der Konjunktiv folgt im Nebensatz. Aber: Sie <em>denke<\/em>, <em>glaube, vermute<\/em> und <em>erachte<\/em>, sie <em>wisse<\/em> nicht, <em>nehme<\/em> aber <em>an<\/em>, denn sie <em>habe<\/em> <em>geh\u00f6rt<\/em> und <em>k\u00f6nne<\/em> <em>sich<\/em> <em>vorstellen<\/em>, auch <em>erinnere<\/em> sie <em>sich<\/em>. Manchmal geht beides fast ohne Bedeutungsunterschied: <em>Er<\/em> <em>schlug vor<\/em>, eine neue Umgangsregelung zu finden. Er <em>schlage vor<\/em>, eine neue Umgangsregelung zu finden. Man sieht, dass der Konjunktiv manchmal im Hauptsatz und manchmal im Nebensatz steht. Verben mit dem Konjunktiv im Nebensatz sind zum Beispiel: Sie <em>sagte<\/em>, dass es so sei. Sie <em>erw\u00e4hnte<\/em>, <em>gab an<\/em>, <em>berichtete<\/em>,<em> versicherte<\/em> und<em> betonte<\/em>, dass es so sei. Sie <em>schilderte<\/em>,<em> beschrieb <\/em>und<em> verdeutlichte<\/em>, wie es gewesen sei. Das betrifft au\u00dfer Verben auch Pr\u00e4positionen: <em>Laut<\/em> Pflegekraft sei&nbsp;&#8230; <em>Gem\u00e4\u00df<\/em> ihrer Aussage habe &#8230; Dann gibt es Verben, die mit dem Indikativ stehen, weil es um Fakten und nicht um Meinungen geht: Es konnte <em>beobachtet <\/em>werden, dass etwas vorliegt. Der Akte konnte <em>entnommen <\/em>werden, dass die Bindung ambivalent ist. Aus der Akte <em>geht hervor<\/em>, dass es so ist. Sie <em>stellte <\/em>im Gespr\u00e4ch<em> fest<\/em>, dass es so war<em>. <\/em>&#8211; Will man dies als Meinung wiedergeben, schreibt man: \u201eSie habe im Gespr\u00e4ch festgestellt, dass es so gewesen sei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann man auch sagen: \u201eEr sagte, er h\u00e4tte &#8230;\u201c? Ja, wenn es sich um einen Irrealis handelt, der auf eine Unm\u00f6glichkeit verweist, wie in: \u201eEr sagte, er h\u00e4tte das Kind bestimmt besch\u00fctzt, wenn er nur von der Sache gewusst h\u00e4tte\u201c. Ansonsten hei\u00dft es entweder: \u201eEr sagte, er habe &#8230;\u201c oder, wenn es vergangen ist: \u201eEr sagte, er habe &#8230; gehabt\u201c. Dasselbe gilt f\u00fcr S\u00e4tze wie: \u201eEine Mediation <em>k\u00f6nnte<\/em> die Kooperation f\u00f6rdern\u201c: Wenn kein besonderer Grund dagegenspricht, ist hier \u201ekann\u201c richtig, denn \u201ekann\u201c dr\u00fcckt bereits aus, dass die Sache lediglich m\u00f6glich und nicht sicher ist. \u201eK\u00f6nnte\u201c hingegen ist ein Irrealis: \u201eEine Mediation k\u00f6nnte die Kooperation f\u00f6rdern, aber die beiden sind nun einmal nicht dazu bereit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut zu wissen ist au\u00dferdem, dass \u201em\u00f6chte\u201c keinen Konjunktiv hat, deshalb nimmt man \u201ewolle\u201c. Und, dass Modalverben ans Satzende geh\u00f6ren: \u201eSie sagte, sie habe das l\u00e4ngst erledigen <em>wollen<\/em>.\u201c Nicht: \u201eSie sagte, sie <em>wollte<\/em> das l\u00e4ngst erledigt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sich die wesentlichen Probleme des Konjunktivs auf einer Seite darstellen lassen, kann es so arg nicht sein. In der Umgangssprache gibt es noch die H\u00f6flichkeitsform: Ich h\u00e4tte gern drei Br\u00f6tchen. In Wirklichkeit <em>will<\/em> und <em>fordere<\/em> ich das Geb\u00e4ck, aber ich sage es nicht so. I\u2019d like to have it, please. Je voudrais, io vorrei und andernorts auch so. &nbsp;Die Richterin und der Richter jedoch erwarten keine H\u00f6flichkeit, sie wollen Antworten auf ihre Fragen. Mit \u201eEs w\u00e4re zu empfehlen\u201c k\u00f6nnen sie nichts anfangen. Ist es nun zu empfehlen oder was? Ja, es ist zu empfehlen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Folge geht es um den Konjunktiv. 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